Die Kundschaft nicht beglücken, sondern glücklich machen

* Am «Demo Day» des HSG START Accelerator in St.Gallen, der auch vom Kanton St.Gallen unterstützt wird, präsentierten in einer zweiten Durchführung acht Startups in kurzen Pitches ihre Geschäftsideen. * Unter den acht Teilnehmenden waren auch zwei Startups mit Sitz in St.Gallen. * Ein erfolgreicher Startup-Gründer aus Altstätten berichtete am Anlass über seine konkrete Erfahrung damit, was es heisst, wirklich gefragte Produkte zu produzieren und potenzieller Kundschaft erfolgreich zu präsentieren.

Standortförderung Kanton St.Gallen
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Veröffentlicht am

22.5.2026

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Bericht Demo Day HSG START Accelerator PC
Die Vertreterinnen und Vertreter der acht Startups auf der Pitch-Bühne des HSG Start Accelerator.
Die über hundert Teilnehmenden waren aufmerksam.

Zum zweiten Mal kamen am «Demo Day» des HSG START Accelerator viele Investorinnen, Investoren, Partnerinnen und Partner sowie zahlreiche Gäste im Switzerland Innovation Park Ost in St.Gallen, gleich neben der Empa, zusammen, um die Präsentationen acht ausgewählter Deep-Tech-Startups zu verfolgen. In ihren kurzen und zeitlich streng limitierten Pitches auf der Bühne stellten die Teams ihre Geschäftsmodelle sowie die Fortschritte vor, die sie während des Programms erzielt hatten.

Es geht darum, Kundenprobleme zu lösen, und nicht nur rentable Technologie zu verkaufen
Vor den Pitches berichtete Nimrod Malinas, CEO der Robonnement AG, von seinen Erfahrungen bei Kundenpräsentationen. Sein Unternehmen produziert Roboter, die in der Industrie für Lackierereien eingesetzt werden und es Menschen ermöglichen, ausserhalb der ungesunden Arbeitsumgebung zu arbeiten.

HSG-Professor Dietmar Grichnik am Apéro.

Da Nimrod Malinas zur Anreise an seine Präsentation bei einem möglichen Grosskunden nicht alle Zeitreserven ausschöpfen musste, war er eine Stunde zu früh beim Termin. Im Gespräch mit den Mitarbeitenden am Empfang entstand die Idee, nicht einfach irgendwo zu warten, sondern mit einem Fachangestellten über seine Arbeit in der Spritzabteilung zu sprechen. In diesem Gespräch wurde Malinas klar, wo beim Kundenunternehmen der Schuh drückt: Es ging nicht um die Frage, ob man schneller, günstiger oder noch raffinierter produzieren könne, also die üblichen Anforderungen oder den klassischen Return on Investment. Vielmehr ging es um Grundbedürfnisse der Anwenderinnen und Anwender. So zeigte sich erst vor Ort im Gespräch mit demjenigen Menschen, der die Roboter mit den Farben und Lacken bedienen muss, dass beispielsweise die Tastatur möglichst wenige Knöpfe haben sollte. Also kein Over-Engineering, sondern drei Tasten: Start, Learn, Stop.

«Wa wötsch?»
Nimrod Malinas nutzte die restlichen paar Minuten, die ihm bis zur Präsentation vor dem Firmenchef blieben, seine Folien komplett umzuarbeiten und genau auf dieses Bedürfnis abzustellen. Der Rest ist Geschichte, und zwar eine Erfolgsgeschichte. Malinas’ Erkenntnis und Botschaft ans Publikum, insbesondere die pitchenden Startups: Greift gerne nach den Sternen, aber bleibt mit den Füssen am Boden. Also nicht selbstverliebt einfach an sich geniale Produkte konstruieren, sondern die echten Kundenprobleme verstehen, die «pain points» vor Ort verstehen. Diese Kundinnen wollen vielleicht auch nicht unbedingt die beste Technologie, sondern jene, die am besten passt. Nicht Technologie um der Technologie willen, sondern Probleme lösen. So, wie er den Fabrikarbeiter fragte, was der denn eigentlich wolle – quasi: «Wa wötsch?».

Zwei von acht Startups haben in dieser Runde das Rennen gemacht
Im Anschluss des Demo Days wurde entschieden: Aithon Robotics und SurFace CleanTech konnten sich ein Investment sichern. Aithon Robotics überzeugte das Investmentkomitee mit einer Drohnenlösung, die sich an Strukturen festsetzen kann und Inspektions- sowie Wartungsarbeiten in der Höhe direkt vor Ort ermöglicht, ohne den Einsatz von Gerüsten oder Seilzugang. Diese Lösung reduziert Kosten und Ausfallzeiten.

SurFace CleanTech überzeugte mit einer Verstärkungsschicht für kompostierbare Verpackungsfolien, die wie eine Druckfarbe aufgetragen wird und es Herstellern ermöglicht, den Materialaufwand bis zu 30 Prozent zu reduzieren, ohne Leistung oder Kompostierbarkeit zu beeinträchtigen.

Investor Andreas Göldi von b2venture ist Mitglied des Stiftungsrates der HSG START Accelerator Stiftung.

«Beide Teams haben uns auf ganzer Linie überzeugt. Die Startups adressieren konkrete Probleme mit fundierten technologischen Ansätzen und schaffen so einen klaren, praxisnahen Mehrwert in ihren Anwendungsfeldern. Mit den beiden Beteiligungen stärken wir unser Portfolio gezielt im panalpinen Raum und unterstreichen unsere Überzeugung, dass gerade die Ostschweiz – mit ihrer engen Verzahnung von Hochschulen, Industrie und Unternehmertum – ein hervorragender Beschleuniger für skalierbare Deep-Tech-Ideen ist», sagt Prof. Dr. Dietmar Grichnik, Prorektor für Innovation und Qualität der Universität St.Gallen und Präsident der HSG START Accelerator Stiftung.

«Der zweite Batch zeigt eindrucksvoll den Erfindergeist und die Tiefe der technologischen Innovationen, die im Accelerator entstehen. Unsere Startups arbeiten an echten Deep-Tech-Lösungen mit hoher Relevanz für Industrie und Gesellschaft und kommen der Marktreife damit entscheidend näher. Gleichzeitig unterstreicht der Batch die Stärke unseres panalpinen Innovationsökosystems», ergänzt Nicolas Blanchard, CEO des HSG START Accelerator. Mit den Investments unterstreicht der HSG START Accelerator somit seinen Anspruch, wachstumsstarke Technologieunternehmen frühzeitig zu fördern und den panalpinen Raum langfristig als führenden Innovationsstandort zu etablieren.

Bewerbungsfenster für Batch 3 geöffnet
Nach dem erfolgreichen Abschluss des zweiten Durchgangs startet der HSG START Accelerator nun in die nächste Bewerbungsphase. Gründerinnen und Gründer sowie Frühphasen-Startups können sich ab sofort für die dritte Durchführung des Programms bewerben, die im September starten wird.

Acht Startups präsentieren technologische Innovationen

Am Demo Day pitchten folgende Startups:

  • Aithon Robotics: Entwicklung von Drohnen für sicherere und effizientere Inspektions- und Wartungsarbeiten in der Höhe.
  • ExoSphere: Verbesserung der Überlebensraten von Krebspatientinnen und -patienten durch Früherkennung mittels Blutprobe.
  • FireDrone: Entwicklung von Drohnen für extreme Hitze- und Gefahrenumgebungen für Notfalleinsätze und industrielle Inspektionen.
  • GoNeon: Ermöglicht die regelkonforme Planung von Infrastruktur – sowohl öffentlich als auch privat – mit einer agentischen KI-Lösung.
  • LightLink Instruments: Entwicklung einer hyperspektralen Kamera zur Erkennung von Tarnung im Verteidigungsbereich.
  • NoxBlanc: Personalisierung des Schlafs durch eine verstellbare Matratze mit kombinierter Härte- und Temperatursteuerung.
  • Optohive: Entwicklung tragbarer Gehirnbildgebungstechnologie für Präzisionsmedizin und Gehirngesundheit.
  • SurFace CleanTech: Entwicklung hochleistungsfähiger Beschichtungen, die kompostierbare Verpackungen kostengünstig konkurrenzfähig machen.
Der HSG START Accelerator
Das Startup-Förderprogramm HSG START Accelerator mit Sitz in St.Gallen wurde von der Universität St.Gallen (HSG), der START Foundation und dem Switzerland Innovation Park Ost (SIP Ost) gegründet. Ziel des Accelerators ist es, europäische Startups in der frühen Wachstumsphase durch professionelle Begleitung und ein dediziertes Programm auf die Skalierung vorzubereiten.
Mit dem zweiten Batch baut der HSG START Accelerator seine Rolle als Förderplattform für europäische Technologie-Startups weiter aus. Das Programm verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit unternehmerischer Umsetzungskompetenz und eröffnet den teilnehmenden Teams den Zugang zu einem starken Netzwerk aus Investorinnen und Investoren, Industriepartnern und erfahrenen Expertinnen und Experten.
Während der Programmdauer wurden die Startups intensiv durch Mentorinnen und Mentoren sowie Branchenfachleuten begleitet. Im Mittelpunkt standen dabei die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle, die Schärfung der Marktpositionierung sowie die gezielte Vorbereitung auf Skalierung und zukünftige Finanzierungsrunden.
Die Bandbreite der präsentierten Lösungen, die von Drohnen- und Robotikanwendungen über Medtech- und Diagnostiklösungen bis hin zu KI-gestützter Infrastrukturplanung, Sensorik und Materialinnovation reicht, verdeutlicht erneut die hohe Innovationskraft der teilnehmenden Startups sowie das breite Anwendungsspektrum technologieorientierter Gründungsteams.
Finanziell gefördert wird es vom Kanton St.Gallen, der Ernst Göhner Stiftung, Metrohm Stiftung und der Swisscom.
Weitere Informationen hier.
Bereits im September startet die dritte Durchführung des Programms.
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