SFS Group: «Der Tanker kann seinen Weg gehen»

* Am 22. April fand die Generalversammlung der SFS Group in der Widnauer Aegeten-Halle statt. * Geschäftsleitung und Verwaltungsrat zeigten sich sehr zufrieden mit dem Geschäftsjahr 2025, nannten aber auch die Herausforderungen. * SFS kontert die internationalen Unwägbarkeiten mit Anpassungen und legt Wert auf eine auch finanziell nachhaltige Basis.

Business Class Ost
  •  

Veröffentlicht am

23.4.2026

 von 
Eckhard Baschek

EXKLUSIV

PAYWALL

PAID CONTENT

KOMMENTAR

Bericht Generalversammlung SFS 20216
Thomas Oetterli, VR-Präsident der SFS Group, führte durch die Generalversammlung in der Widnauer Aegeten-Halle.

Thomas Oetterli, Verwaltungsratspräsident der SFS Group AG, fasste die Lage des Industriekonzerns am Mittwochabend so zusammen: «SFS hat sich sehr gut entwickelt». Betrachtet man die Zahlen (siehe Kasten) und berücksichtigt man die widrigen währungs- und geopolitischen Umstände, ist diese Aussage plausibel. Seit Jahren präsentieren sich die wichtigsten Kennzahlen als stabil, mit leichtem Aufwärtstrend.

Unbeirrt zeigt sich das «Unternehmen für applikationskritische Präzisionskomponenten und Baugruppen, mechanische Befestigungssysteme, Qualitätswerkzeuge und Bewirtschaftungslösungen» auch beim Verfolgen von Umwelt- und Sozialstandards. Anders als viele Grosskonzerne wie UBS und Novartis ist ESG (Environmental, Social, Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) kein Modetrend, den man fallen lässt, wenn der Wind aus dem Westen dreht. Dazu gehören beispielsweise die andauernden Anstrengungen, Umweltschutzvorschriften im Unternehmen bis hinein in die externen Lieferketten zu optimieren (fachtechnisch Scope 1 bis 3) und am Netto-Null-Ziel beim Kohlendioxid-Ausstoss bis 2050 festzuhalten. Ausserdem legt SFS bei ESG auch viel Wert auf die sozialen Faktoren, die bei vielen Unternehmen eher zu kurz kommen, darunter auch die Unfallrate. Inzwischen gibt es im Verwaltungsrat zwei und in der Geschäftsleitung seit Anfang Jahr immerhin eine Frau, wobei sich die Suche nach weiblichen Führungskräften, wie Thomas Oetterli gegenüber «Business Class Ost» an der GV erklärte, als nicht einfach in Industriekreisen, und nur der Quote wegen wolle man den Ausgleich nicht erzwingen: «Am Ende suchen wir die am besten passende Person, ungeachtet des Geschlechts.» Möglicherweise liegt das Problem teilweise auch am hohen Anteil der beiden Eigentümer-Familien, denen man keine geschlechterspezifische Auswahl aufzwingen kann.

Die Causa Fabian Tschan und hoher Nein-Stimmen-Anteil bei der Wiederwahl des VRP
Stichwort Governance: Während sechs Verwaltungsrats-Mitglieder bei der Wiederwahl nur Nein-Stimmen im einstelligen Prozentbereich akzeptieren mussten, musste VR-Präsident Thomas Oetterli immerhin einen Nein-Anteil von 15,6 Prozent hinnehmen. Gegenüber unserer Zeitung begründete Oetterli das mit dem typischen, in ihren Reglementen definierten Verhalten von Stimmrechtsvertretern: Sie würden lange Amtszeiten und Ämterkumulation gnadenlos abstrafen. Bei Oetterli dürfte der Hauptgrund also darin liegen, dass er aktuell unter anderem auch CEO und gleichzeitig VR-Präsident des Industriekonzerns Rieter ist, und das kratzt am Prinzip der Gewaltenteilung an der Unternehmensspitze.

Bemerkenswert war die mit 7,64 Prozent vergleichsweise tiefe Ablehnungsquote bei Verwaltungsrat und Familienaktionär Fabian Tschan, der sich als VR bei der MBaer Merchant Bank zumindest nicht als Verhinderer von Geldwäscherei hervorgetan hatte. Auf der SFS-Bühne wurde auch dieser Punkt offen angesprochen. Wie SFS gegenüber dem «Rheintaler» aufgrund der dortigen Artikel (hier, Kommentar hier, beide hinter der Paywall) vom 17. April schon erklärte, hiess es auch an der Generalversammlung, Tschan sei nie Gegenstand eines Verfahrens gewesen und auch nie persönlich beschuldigt worden.

Der Weltlage mit Diversifikation und Optimierung trotzen
Die internationale Ausprägung des Industriekonzerns ist deren Fluch und Segen zugleich. Im globalen Geschäft lahmt das Baugeschäft, und die Automobilbranche ist derzeit massiv unter Druck. Deshalb kam und kommt SFS auch nicht darum herum, ständig zu reagieren – in Form von Prozessoptimierungen, der Besinnung aufs Kerngeschäft und eben mit Werksschliessungen überall auf der Welt, unter anderem in Flawil. Das wichtigste Gegenrezept der Gruppe ist die Diversifizierung nicht nur in den Märkten, sondern auch in den Produktgruppen. So lassen sich Schwächeperioden in einem Segment durch bessere Zahlen in anderen ausgleichen. Thomas Oetterli malte dieses Bild: «Der Tanker auf dem Meer kann seinen Weg gehen».

Jens Breu, CEO der SFS Group.
Das SFS-Geschäftsjahr 2025 in Zahlen
Der Jahresumsatz der SFS lag mit 3056,6 Millionen Franken mit einem Plus von 0,6 Prozent leicht über dem Vorjahr. Währungseffekte minderten das Wachstum um knapp 3 Prozent. Auch der normalisierte (also um Einmal-Effekte bereinigte) Betriebserfolg (EBIT) lag mit 371 Millionen Franken mit einer Marge von 12,2 Prozent des Nettoumsatzes leicht über dem Vorjahr (2024: 11,6 Prozent). Inklusive dieser Effekte wäre der EBIT leicht gesunken. Der Konzerngewinn sank auf 220,2 Millionen Franken (Vorjahr: 242,7 Millionen Franken). Der freie Cash Flow stieg 2025 von 226,1 Millionen Franken auf neu 273,6 Millionen Franken.
Die finanzielle Stärke zeigt sich auch in der hohen Eigenkapitalquote von 64,4 Prozent – ein Wert, der bei Grossbanken nur in deren Alpträumen vorkommt. Wie auch schon im Vorjahr wird etwas mehr als die Hälfte des Gewinns auf die nächste Rechnung vorgetragen und nur ein kleinerer Teil an die Aktionärinnen und Aktionäre ausbezahlt, er verbleibt also mehrheitlich im Unternehmen. Trotzdem wird pro Aktie eine Gesamtdividende von 2.50 Franken ausgeschüttet. Die Aktionärinnen und Aktionäre genehmigten diesen Antrag mit 99,92 Prozent.
Artikel öffnen

Weitere Artikel