* Die Generation Z tickt nicht so anders als ältere Generationen, wichtig ist gegenseitiger Respekt. * Entscheidend für die Unterschiede ist vor allem die Lebensphase, in der man sich befindet. * Am Inspirationskaffee, veranstaltet von den Raiffeisenbanken Mittelrheintal und Unteres Rheintal, wurden Klischees entkräftet und Erfahrungen ausgetauscht.
In ihrer Einführung sprach Moderatorin Christine Schawalder von der Raiffeisenbank Unteres Rheintal die gängigen Vorurteile an: Die Generation Z sei anstrengend, hochanspruchsvoll, nicht leistungs- und verantwortungsorientiert, und jede Arbeit müsse sinnstiftend sein. Im Gegenzug wird die Generation X und noch mehr die Generation der Boomer oft als verkrustet, besserwisserisch, unflexibel und verbissen beschrieben. Doch was, fragte sie, ist wirklich dran an diesen gerne bemühten Vorurteilen?
Die Generation Z ist nicht anders, sondern einfach gerade in dem Alter mit den entsprechenden Eigenschaften
Als erstes sprach Dr. mag. mult. Ronald Ivancic, Dozent und Projektleiter am Institut Organisation & Leadership an der OST und Leiter der School of Management, über die Erkenntnisse aus vielen Studien. Sein Fazit: Viel bedeutender als die ¬– fast vernachlässigbaren – Unterschiede zwischen den Generationen seien die Unterschiede, die die verschiedenen Lebensphasen ausmachten. Also je nach Lebensalter würden sich die Prioritäten verschieben. Er zeigte an einem alten Artikel aus dem «Spiegel» auf, dass die haargenau gleichen Diskussionen bereits geführt wurden, als die Generation X ins Berufsleben einstieg. Und die Vorurteile seien dieselben gewesen. Studien belegten, so Ivancic, dass es unter den Generationen keine signifikanten Unterschiede in der Arbeitsmotivation gebe. Wenn es Unterschiede zwischen den Menschen verschiedenen Alters gebe, hänge das mit anderen Faktoren zusammen; das Bild «der Generation» täusche darüber hinweg, dass die Ursachen andere seien. «Korrelation ist nicht identisch mit Kausalität», betonte er: Auch wenn Entwicklungen Parallelitäten aufwiesen, müsse es keinen Zusammenhang geben. Am Beispiel der Korrelation von Schokoladenkonsum und der Anzahl der Nobelpreisträgerinnen und -träger machte er klar: Nur viel Schoggi essen macht noch keinen Nobelpreis – auch wenn das Übereinanderlegen der Grafiken oberflächlich diesen Eindruck vermitteln würden.
Wie es bei der Sonnenbräu in Rebstein mit den Generationen läuft
Als nächstes sprach Claudia Keel-Graf, Geschäftsleiterin in fünfter Generation und Verwaltungsrätin der Sonnenbräu AG in Rebstein. Sie ist die erste Braumeisterin der Schweiz und auch die erste Geschäftsführerin einer Brauerei. Zwar verlange die Generation Z, sagte Claudia Keel-Graf, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeitmodellen, was bei den älteren Angestellten skeptisch aufgenommen worden sei. Die Gen Z sei auch selbstbewusster und scheue auch den Kontakt mit den Vorgesetzten nicht. Aber auch sie wolle kein Laissez-Faire im Führungsstil und sei sehr pflichtbewusst bei der Arbeit. Umgekehrt sei Alt nicht einfach alt, sondern vor allem erfahren. Am besten gehe es, wenn die unterschiedlichen Alter voneinander lernten und auch gegenseitig zuhörten. Sie machte das an einem Beispiel fest: Beim Beladen der Lastwagen mit Bier sei die junge Generation mit voller Energie am Werk und schneller als die älteren Mitarbeitenden. Die hingegen hätten die ausgeklügeltere Vorgehensweise und seien am Ende gleich schnell. Ihr Fazit: Wenn beide ihr Wissen und ihre Energie zusammenlegten, gebe es erstaunliche Fortschritte. Man müsse generationenübergreifend voneinander lernen und sich austauschen.
Beide Vortragenden wiesen in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der Unternehmenskultur hin. Das Wort «Kultur» beinhalte das Verb «kultivieren», und das sei eben ein ständiger Prozess, der gelebt werden müsse. Gold eingerahmte Unternehmensphilosophien könnten das nicht ersetzen.
Das nächste Inspirationskaffee findet am 27. Mai 2026 wiederum im Kino s ’Madlen in Heerbrugg statt, wieder mit Empfang ab 07 Uhr.