* Drei St.Galler Unternehmen haben in einem Pilotprojekt des Kantons und dem Institut für Innovation, Design und Engineering der OST mit Partnern aus anderen Branchen konkrete Innovationsprojekte entwickelt. Das Beispiel zeigt: KMU kommen oft schneller voran, wenn sie ihre Erfahrungen und Ideen miteinander teilen. * Deshalb vernetzte die Initiative des Kantons St.Gallen die Aepli Metallbau AG, die Heberlein Technology AG und die HB-Therm AG mit anderen KMU, um gemeinsam Transformationsprojekte zu entwickeln und Innovations-Silos zu sprengen. * An einer Veranstaltung präsentierten die Arbeitsgruppen erste Ergebnisse – und schon bald können sich neue Partner bei der OST und der kantonalen Standortförderung melden, um eigene Innovationsprojekte einzubringen und Fördermittel abzurufen.

Innovation muss nicht im Alleingang entstehen. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen kann es sinnvoll sein, sich mit anderen Firmen zusammenzutun, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Genau hier setzt das Inno-Netzwerk im Rahmen der Initiative «Do–it—in–St.Gallen» der Standortförderung des Kantons St.Gallen an.
Vor einigen Tagen stellten Unternehmen und Innovationspartner im Switzerland Innovation Park Ost, gleich neben der Empa, in St.Gallen an der Netzwerkveranstaltung «Gemeinsam innovieren – Do it in St.Gallen» ihre bisherigen Ergebnisse vor. Im Mittelpunkt standen drei Projekte, die rund um die Unternehmen Aepli Metallbau, Heberlein Technology und HB-Therm entstanden.
Wenn Unternehmen ihre Erfahrungen teilen

Daniel Kern, Leiter Standortentwicklung in der Standortförderung, erläuterte den Hintergrund des Inno-Netzwerks. Viele KMU würden Innovation noch weitgehend innerhalb des eigenen Unternehmens vorantreiben. Dadurch blieben Möglichkeiten für Zusammenarbeit ungenutzt; gleichzeitig fehlten oft Strukturen, damit Kooperationen überhaupt zustande kämen, und manche Innovationsmethoden seien für KMU schlicht zu anspruchsvoll.
Das Vorgehen war deshalb bewusst pragmatisch: Ein sogenanntes Pionierunternehmen bringt eine konkrete Herausforderung ein. Anschliessend werden passende Unternehmen mit ähnlichen Interessen, Bedürfnissen und Potenzialen mit ihm zusammengeführt. Gemeinsam bearbeiten sie das Entwicklungsvorhaben. Im ersten Durchlauf entstanden auf diese Weise drei Projekte mit insgesamt 16 Unternehmen und rund 900 investierten Arbeitsstunden.
Aepli Metallbau: Eine gemeinsame Sicht auf die Daten
Bei der Aepli Metallbau AG aus Gossau drehte sich das Projekt um eine «zentrale und verlässliche Datenquelle für Produktion und Lieferkette». Beteiligt waren unter anderem Blumer Lehmann und die Olma Messen St.Gallen.
Eine zentrale Erkenntnis: Technologie allein reicht nicht. Auch die Organisation muss mitziehen. Bei Aepli ging es deshalb darum, historisch gewachsene Prozesse zu vereinfachen und für mehr Transparenz zu sorgen. Gleichzeitig soll Wissen besser erhalten bleiben, wenn Mitarbeitende ihre Funktionen wechseln.
Das Projekt verbindet damit zwei Perspektiven, die bei Digitalisierungsprojekten gerne getrennt betrachtet werden: die technische und die organisatorische. Die Präsentation von Aepli fasste die Zielsetzung entsprechend als Zusammenspiel von Organisation und Technologie zusammen.
Heberlein Technology: Wissen über den gesamten Produktweg
Bei Heberlein Technology aus Wattwil steht die «lückenlose Rückverfolgung von Produkten» im Zentrum. Das Unternehmen arbeitet unter anderem mit der Empa und EMS-Griltech zusammen.
Der branchenübergreifende Austausch habe neue Perspektiven eröffnet, heisst es im Fazit des Projekts. Probleme konnten früher erkannt und gemeinsam Lösungsansätze entwickelt werden. Wie wichtig der Austausch für die Beteiligten war, zeigt ein kleines Detail: Heberlein war das erste Unternehmen, das seine Zusage zur Arbeitsgruppe gab – und benötigte dafür gerade einmal zwei Minuten.
HB-Therm: Aus Gerätedaten werden neue Services
Bei HB-Therm geht es um die Frage, wie sich aus den Daten von Temperiergeräten neue Dienstleistungen entwickeln lassen. Das St.Galler Familienunternehmen arbeitete dabei unter anderem mit der Bühler Group, Cleanfix und der Migros Klubschule zusammen.
Gerade die unterschiedlichen Branchen erwiesen sich als Vorteil: Die Unternehmen haben unterschiedliche Produkte und Märkte, stehen aber teilweise vor vergleichbaren Herausforderungen. Mit einem Crowdsourcing-Ansatz wurden bestehende Denkmuster hinterfragt und neue Ideen entwickelt. Potenzielle Kundinnen und Kunden waren zudem in die praktische Überprüfung der Zwischenergebnisse einbezogen. Die Präsentation bringt den Nutzen des Projekts auf einen einfachen Nenner: «Ein kompakter Austausch mit hohem Mehrwert.»
Unterstützung ist vorhanden

Dass Ideen und Kooperationen nicht nur an fehlenden Ressourcen scheitern müssen, zeigte Andreas Kaiser, Innosuisse-Mentor aus Schaffhausen. Unternehmen sollten sich Unterstützung holen, wenn ihnen etwa Marktzugang, Technologie, Expertise, Risikokapital oder geeignete Prozesse fehlten. Die ersten Schritte mit Innosuisse und Partnerorganisationen seien in aller Regel kostenlos. Mentoren begleiten KMU vom ersten Ideen-Check bis zum eingereichten Förderantrag.
An der Veranstaltung wurden auch weitere regionale Anlaufstellen vorgestellt, darunter der Switzerland Innovation Park Ost, das ITS, das Thurgauer Technologieforum, RhySearch, INOS und das KMU-Zentrum Graubünden.
Fünf Minuten bis zur ersten Analyse

Ein weiteres Angebot richtet sich an KMU, die zwar Veränderungsbedarf sehen, aber noch nicht wissen, wo sie ansetzen sollen. Simon Schlegel, Projektleiter Innovationsförderung des Kantons St.Gallen, verwies auf ein alltägliches Problem: Im Tagesgeschäft fehlen Zeit und Ressourcen für Innovation, gleichzeitig sind Förderangebote und Beratungsmöglichkeiten vielen Unternehmen zu wenig bekannt.
Mit einer Zahl verdeutlichte er die Situation: 60 Prozent der Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von St.Galler KMU seien gleichzeitig auch noch für Innovation zuständig.
Hier setzt der «Innoguide» an. Das kostenlose Online-Angebot führt in wenigen Minuten durch eine strukturierte Analyse und zeigt unter anderem Stärken und Schwächen, relevante Trends, mögliche nächste Schritte sowie passende Förderangebote auf.
«Innovation entsteht nicht im Alleingang»

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Regierungsrat Beat Tinner. St.Gallen solle ein Ort für Menschen sein, die anpacken, Lösungen suchen und etwas gestalten, sagte der Volkswirtschaftsdirektor. «Do it in St.Gallen» sei deshalb Einladung und Aufruf zugleich: zum Gründen, Innovieren, Investieren und Leben im Kanton.
Tinner betonte dabei einen Gedanken, der sich auch durch die vorgestellten Projekte zog: Innovation entsteht nicht isoliert. Entscheidend seien Menschen, die Ideen teilen, Erfahrungen austauschen und bereit sind, neue Perspektiven einzunehmen. Die Innovationsförderung für KMU ist Teil der Strategie des Kantons, die Innovationskraft und die Standortattraktivität zu stärken.
Die nächste Runde steht bereits bevor: Im Herbst startet der nächste Call für Pionierunternehmen.
Zu den Partnerorganisationen der Initiative der Standortförderung des Kantons St.Gallen gehören die Universität St.Gallen, der HSG Start Accelerator, die OST – Ostschweizer Fachhochschule, der Switzerland Innovation Park Ost, Startfeld, die Empa, private Investoren wie b2venture sowie einige bereits erfolgreiche St.Galler Startups und etablierte Unternehmen.


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