Wer im Kanton St.Gallen unterwegs ist, begegnet dem Wald auf Schritt und Tritt. Für viele von uns ist er in erster Linie Natur- und Erholungsraum. Doch der Wald leistet weit mehr. Er liefert den nachwachsenden Rohstoff Holz, ist Lebensraum für Tiere und Pflanzen, filtert unser Trinkwasser, speichert CO₂ und schützt Menschen, Gebäude und Infrastrukturen vor Naturgefahren.

Gerade die Schutzfunktion des Waldes wird leicht unterschätzt. Der volkswirtschaftliche Wert der Schutzwirkung des Schweizer Waldes wird auf über 4 Milliarden Franken pro Jahr beziffert. Im Kanton St.Gallen sind fast zwei Drittel des Waldes, rund 38’000 Hektaren, Schutzwald. Ein intakter Schutzwald schützt vor Lawinen und Steinschlag und kann die Gefahr von Rutschungen und Murgängen vermindern. Er schützt damit Wohnhäuser, Strassen, Bahnlinien und weitere Infrastrukturen. Und er tut dies kostengünstig, grossflächig und bietet gleichzeitig weiterhin natürlichen Lebensraum und wunderschöne Landschaftsbilder. Wo diese Wirkung fehlt, braucht es unter Umständen technische Schutzbauten wie Lawinenverbauungen, Steinschlagschutznetze oder andere aufwendige Massnahmen. Die Pflege eines Schutzwaldes kostet rund 5- bis 10mal weniger als sein Ersatz mit technischen Verbauungen. Einen funktionierenden Schutzwald zu erhalten, ist deshalb nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch volkswirtschaftlich vernünftig.
Vor diesem Hintergrund habe ich den ursprünglichen Entscheid des Bundesrates, die spezifischen Zusatzmittel für die Anpassung des Waldes an den Klimawandel ab 2027 nicht weiterzuführen, nur schwer nachvollziehen können. Umso mehr, als das eidgenössische Parlament den zusätzlichen Handlungsbedarf erkannt und die entsprechenden Mittel bereits zweimal mit deutlichen Mehrheiten beschlossen hat. Im Waldbericht 2025 des Bundes wird die Anpassungsfähigkeit des Waldes an den Klimawandel als grösste Herausforderung beschrieben.
Am 26. August hat der Bundesrat nun eine Korrektur vorgenommen. Er beantragt dem Parlament, den Kredit für den Wald im Jahr 2027 wieder um 17,5 Millionen Franken aufzustocken. Ab 2028 soll das zuständige Departement jährlich zusätzliche Mittel in gleicher Höhe beantragen können. Diesen Schritt begrüsse ich ausdrücklich. Er trägt dem ausgewiesenen Handlungsbedarf Rechnung und ist ein wichtiges Signal für eine vorausschauende Waldpolitik.
Dass der Bund angesichts seiner Finanzlage Prioritäten setzen muss, ist unbestritten. Entscheidend ist jedoch, wo Einsparungen sinnvoll sind und welche langfristigen Folgen sie haben können. Beim Wald besteht die Gefahr, dass kurzfristige Einsparungen langfristig höhere Kosten verursachen. Denn ein Wald entwickelt sich über Jahrzehnte. Die jungen Bäume von heute sind der Wald in 80 oder 100 Jahren. Die Anpassung des Waldes an den Klimawandel ist deshalb nicht nur eine Verbundaufgabe, sondern auch ein Mehrgenerationenprojekt.
Der Handlungsbedarf ist erkannt. Der Kanton St.Gallen hat dafür in den vergangenen Jahren wichtige strategische Grundlagen geschaffen. Unsere Strategie zur Anpassung an den Klimawandel nimmt den Wald ausdrücklich in den Blick. Die Biodiversitätsstrategie 2026–2033 stärkt Arten und Lebensräume. Und mit den 2026 erneuerten Waldzielen hat die Regierung festgehalten, wohin sich der St.Galler Wald entwickeln soll: Er soll widerstands- und anpassungsfähig sein, seine Schutzfunktion langfristig erfüllen, die Biodiversität fördern und gleichzeitig eine nachhaltige Holznutzung und regionale Wertschöpfung ermöglichen, für heutige und künftige Generationen.
Strategien allein schützen allerdings noch kein Haus vor einem Steinschlag und keine Strasse vor einer Lawine. Entscheidend ist, was draussen im Wald geschieht. Konkret geht es etwa um die Pflege junger Wälder, um die gezielte Förderung einer vielfältigen und zukunftsfähigen Baumartenzusammensetzung oder um Sicherheitsholzerei entlang von Erholungseinrichtungen. Gerade dort setzen die zusätzlichen Mittel an. Dass der Bundesrat diese Mittel nun wieder vorsehen will, ist deshalb zu begrüssen. Entscheidend wird sein, dass die Finanzierung nicht nur kurzfristig gesichert ist, sondern die notwendige Kontinuität erhält.
Gleichzeitig wäre es zu kurz gegriffen, die Verantwortung allein beim Bund zu verorten. Die Korrektur des Bundesrates entbindet uns in den Kantonen und Gemeinden nicht von unserer eigenen Verantwortung. Wenn wir uns Ziele zur Anpassung an den Klimawandel, zur Biodiversität und zum Wald setzen, müssen wir bereit sein, diese konsequent umzusetzen und die dafür notwendigen Mittel bereitzustellen. Das gilt für die Regierung ebenso wie für den Kantonsrat und die Verantwortlichen in den Gemeinden. Gerade auf kommunaler Ebene wird sichtbar, welchen konkreten Wert ein intakter Wald hat. Wenn eine Gemeindestrasse, ein Quartier oder eine wichtige Infrastruktur durch einen Schutzwald geschützt wird, ist dessen Pflege keine abstrakte Umweltmassnahme, sondern eine Investition in die Sicherheit vor Ort. Das gleiche gilt für die Gewährleistung der Sicherheit von Waldbesuchenden im Erholungswald.
Bund, Kantone, Gemeinden und Waldeigentümer tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass unsere Wälder ihre vielfältigen Aufgaben auch künftig erfüllen können. Ein gesunder und widerstandsfähiger Wald ist Teil unserer natürlichen Infrastruktur. Seine Pflege ist deshalb nicht nur eine ökologische, sondern ebenso eine sicherheits- und finanzpolitische Aufgabe. Der jüngste Entscheid des Bundesrates ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Nun gilt es, die notwendige Verlässlichkeit über die kommenden Jahre sicherzustellen. Sorgen wir deshalb heute dafür, dass wir diese Verantwortung nicht den kommenden Generationen aufbürden.
Zur Person
Beat Tinner (Jahrgang 1971) ist seit 2020 St.Galler FDP-Regierungsrat und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons St.Gallen. 1997 bis 2020 war der Rheintaler Gemeindepräsident der Politischen Gemeinde Wartau im Werdenberg, und von 2000 bis 2020 war er Mitglied des Kantonsrats, zuletzt als Fraktionschef. Er ist Sohn eines Bauern und einer Bäuerin, absolvierte von 1988 bis 1991 eine kaufmännische Ausbildung beim Schweizerischen Bankverein, gefolgt von einem zweijährigen Sprachaufenthalt in Villars-sur-Ollon.

* In seinem Kommentar erklärt Jérôme Müggler, Direktor der IHK Thurgau und Tagblatt-Kolumnist, warum Freihandelsabkommen für die Region wichtiger sind als politische Wunschlisten. * Der Wohlstand der industriell geprägten Ostschweiz beruhe wesentlich darauf, dass Unternehmen ihre Produkte weit über den begrenzten Heimmarkt hinaus verkaufen könnten. * Teile der Politik dürften Freihandelsabkommen nicht zum Pfand für die Absicherung des heimischen Agrarschutzes machen.

* Am Samstag und Sonntag herrschte in Altenrhein Volksfeststimmung. * Knapp 40’000 Besucherinnen und Besucher kamen zum 100. Geburtstag des Flugplatzes St.Gallen-Altenrhein. * Geboten wurden faszinierende Luftfahrtgeschichte, spektakuläre Flugvorführungen und die Möglichkeit, die grenzüberschreitende Bedeutung des Standorts hautnah zu erleben.

* Nach einer Bauzeit von rund drei Jahren wurde das grösste Bauprojekt in der Geschichte der Appenzeller Alpenbitter AG erfolgreich abgeschlossen. * Das Familienunternehmen investierte rund 12 Millionen Franken in die Betriebserweiterung am Firmenstandort in Appenzell. * Das neue Hochregallager und die Aufstockung bestehender Gebäudeteile wurden aus insgesamt 2500 Kubikmetern Rundholz aus firmeneigenen Wäldern gebaut.