* Am 10. September 2026 versammelte sich die Ostschweizer Wirtschaftsszene beim Holzbaupionier Blumer Lehmann in Gossau zum 3. Greenovation Summit. * Verschiedene Referate zeigten Wege auf, Nachhaltigkeit überzeugend umzusetzen. * Ein Höhepunkt des Netzwerkanlasses war die Verleihung des Greenovation Awards (siehe nächster Artikel).

Das Wort «Nachhaltigkeit» wirkt inzwischen oft abgegriffen und wird inflationär gebraucht. Der inzwischen dritte Greenovation Summit von Galledia ging am Freitag, 10. September 2026, im Stammhaus des international führendes Holzindustrie- und Holzbauunternehmens Blumer Lehmann in Gossau anhand von konkreten Beispielen der Frage nach, wie Unternehmen in der Schweiz die Nachhaltigkeit ¬– auch gerne als «Enkeltauglichkeit» bezeichnet – umsetzen können.
«Jedes Jahr ein bisschen mehr» bei Blumer Lehmann
Den Anfang machte die CEO von Blumer Lehmann, Katharina Lehmann. Der Baustoff Holz, so Lehmann, könne einen gewichtigen Dekarbonisierungs-Beitrag im Bauwesen leisten und liege mit seinen vielen vorteilhaften Eigenschaften im Trend. Sie wolle mit dem Unternehmen positive Impulse setzen. Nach einem Tipp für Unternehmen gefragt, riet sie dazu, den eigenen CO2-Fussabdruck zu messen und sich der Herausforderung zu stellen. Wie im Fitness-Training könne man so auch die Fortschritte messen und sehen – «jedes Jahr ein bisschen mehr».
Ein Akku hat dank Martin Kyburz vier Leben
In der Schweiz fährt die Schweizerische Post mit ihren gelben dreirädrigen Elektro-Ausliefer-Wägelchen durch die ganze Schweiz, um die Post in den Briefkästen zu verteilen. Das ist einer der Erfolge von Martin Kyburz, Gründer und CEO der Kyburz Switzerland AG. Muss ein Fahrzeug ausrangiert werden, wird es umgebaut und dient als praktisches Fortbewegungsmittel für Privatleute. Das geht nur, weil von Anfang an auf intelligentes Design gesetzt wurde. Reine Materialien können getrennt, ersetzt, aufbereitet oder fachgerecht entsorgt werden. Die Akkus der Roller, die nicht mehr leistungsfähig genug für die Strasse sind, dienen dann in neuen Geräten für die Speicherung von Solarstrom. Am Ende gibt es sogar noch ein viertes Leben: Die Bestandteile werden in kleine Akkus verwandelt. Martin Kyburz plädiert dafür, bei der Innovation die eigene Komfortzone zu verlassen, beharrlich zu bleiben und Kontroversen auszuhalten: «Angst blockiert das Denken».

Gebäude nach ökologischen Grundsätzen und als Kohlendioxid-Speicher
Welche Dynamik hinter dem Trendwort «Nachhaltigkeit» steckt, zeigen die Erfahrungen des gastgebenden Unternehmens Blumer Lehmann. In seinem Vortrag präsentierte Markus Rutz, Geschäftsführer des Bereichs Holz- und Modulbau und Mitglied der Unternehmensleitung, die Vorgehensweisen bei Projekten. Ein Beispiel: Statt Zwischendecken aus Massivholz (und statt aus Beton) zu konstruieren, realisierte das Unternehmen Kassettenmodule, in deren Rahmen der Lehm gestampft wird, der vor Ort beim Aushub entsteht. So kann er direkt vor Ort genutzt werden.
Das mobile WC neu erfunden und wertvollen Dünger entdeckt
Die Idee kam Jojo Casanova in Indien. Bei einem Einsatz in der Entwicklungszusammenarbeit half er mit, Komposttoiletten zu warten und zu leeren. Was dabei herauskam, war kein Abfall: Fäkalien werden über Monate – nicht im Häuschen – kompostiert, bei Temperaturen, die Krankheitserreger abtöten. Übrig bleibt Humus, wie man ihn im Garten ausbringt. Casanovas Kompotoi kommt ohne Wasser und ohne Kanalisation aus. 2016 gründete er die Kompotoi AG mit rund 50 Toiletten im Markt. Heute hat das Unternehmen mit Sitz in Winterthur rund 1400 der schweizweit etwa 30’000 mobilen Toiletten im Einsatz und sammelt jährlich 150 Tonnen Feststoff und über 250’000 Liter Urin.

Ölheizungen zu Wärmepumpen – ein Vorhaben mit Hindernissen
Was haben die Gemeindepräsidentin von Diepoldsau und der Gemeindepräsident von Uzwil neben ihrem Amt gemeinsam? Sie unterstützen die landesweite Initiative «100 in 100». Sie bedeutet: Eine Gemeinde will, auch mit zusätzlichen Fördermitteln, erreichen, dass ab dem Start der Initiative innerhalb von 100 Tagen in 100 Häusern fossilen Heizungen durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen. Auf dem Weg dahin gibt es viele Hindernisse, beispielsweise die Dauer der Bewilligungen, Kostenüberlegungen, grundsätzliche Zweifel und die Möglichkeit und Bereitschaft der Handwerksbetriebe, mitzumachen.
Karin Aerni berichtete vom anstrengenden Unterfangen: Es habe jede Menge Bedenken aus allen Richtungen gegeben. Lucas Keel von Uzwil, der fünftgrössten Gemeinde im Kanton St.Gallen, erreichte in den 100 Tagen insgesamt 86 Umrüstungen, meist auf Wärmpumpen – ein stolzes Ergebnis.

Hört Ihr die Signale? Der Klimawandel ist in der Schweiz angekommen
Die Referentin Gianina Viglino-Caviezel, Co-Founder & CEO von Ai-on, brachte Beispiele für hiesige Auswirkungen des Klimawandels. Der Temperaturanstieg in der Schweiz sei seit Jahren sogar doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Die Messbarkeit von Nachhaltigkeits-Anstrengungen sei zwar schwierig und der Vergleich der Ergebnisse mit monetären Zielgrössen noch viel komplexer. Aber der Weg von der Nachhaltigkeit, die einen Impact erziele, sei über ihre Effektivität nachweisbar, und aus Kosten könnten so auch Chancen entstehen. Wichtig sei, zu wissen, was man könne und auch wolle, und dann könne man die eigenen Stärken ausspielen. Es gehe nicht darum, die Welt zu retten, sondern einen Beitrag zu leisten, so klein er im Gesamtbild er auch sei.

Es liegt nicht am Wollen, es liegt am Tun
Wie Klimaschutz wirklich wirkt, erläuterte der Verhaltensökonom Gerhard Fehr von FehrAdvice & Partners. Denn gut gemeint sei nicht gleichzusetzen mit gut gemacht. Was wirkt wirklich? Auch wenn 71 Prozent der Unternehmen feste Absichten hätten, veränderten nur 4 Prozent wirklich etwas. Einer der Gründe sei, dass 61 Prozent ihren Energieverbrauch nicht systematisch beobachteten. «Und was man nicht sieht, verändert man nicht.» Es liege also nicht am Wollen, sondern am Tun. Wichtig dabei sei, Feedback abzuholen: «Rückmeldung schlägt Appell.» Nur wer die Situation gestalte, verändere das Verhalten. Fehr zeigte Wege dazu auf. «Erfahrung statt Erklärung»: Wer es einmal erlebt habe, brauche kein Argument mehr. «Zeigen, wer es schon macht»: Menschen orientierten sich an dem, was sie um sich herum sehen. «Standardoption statt Aufruf»: Was voreingestellt sei, werde gewählt — ohne Druck, ohne Verbot.


* Im Rahmen des 3. Greenovation Summit wurden wieder die Greenovation Awards verliehen. * In den drei Kategorien Produkt, Projekt und Organisation wurden Unternehmen geehrt, die vormachen, wie gelebte Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und Unternehmertum Hand in Hand gehen. * Zu den Siegern gehören Recoloop, Innoway, Ebnat, Openair St.Gallen und Gadget.

* Die bestehenden Standorte des unbedienten 24/7-Migros teo sind zumindest in der Ostschweiz sehr beliebt. * Daher plant die Migros Ostschweiz, auch in Romanshorn einen Migros teo zu realisieren. * Dafür hat die Genossenschaft ein Baugesuch bei der Stadt Romanshorn eingereicht.

* 880 Millionen Franken zusätzlich für die Landwirtschaft: An diese Bedingung knüpfte die bürgerliche Bauernlobby ihre Zustimmung zum Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosurstaaten. * Der Bauernverband lässt sich seine Zustimmung teuer bezahlen. * Doch seine Rechnung kann weder der Bund noch die betroffene Fleischbranche nachvollziehen.