Die Fusion von Swissmem und Swissmechanic ist eine Chance

* Die beiden nationalen Industrieverbände Swissmem in Zürich und Swissmechanic in Weinfelden wollen fusionieren. * Beide vertreten die Tech- bzw. MEM-Branchen, wobei Swissmechanic vor allem KMU vertritt. * Wenn die kleineren KMU im Konzert der Grossen ihre Stimme behalten – wie geplant –, ist es ein guter Schritt für die Schweizer Wirtschaft.

Business Class Ost
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Veröffentlicht am

16.4.2026

 von 
Eckhard Baschek

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KOMMENTAR

Kommentar BCO Fusion Swissmem Swissmechanic
Wie wird das Logo des neuen Swissmem-Verbands aussehen?

Heute früh auf LinkedIn kam die Meldung von Swissmem, ebenso wie auf deren Website: Man gehe mit Swissmechanic gemeinsame Wege. Im Grunde vertreten die beiden nationalen Verbände dieselbe Branche: MEM, also die Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie. Weil diese Begrifflichkeit in der heutigen Technologiegetriebenen Wirtschaftswelt jedoch zu kurz greift, ist auch oft von den Tech-Verbänden die Rede. Der Unterschied zwischen den beiden: Während Swissmem mit Hauptsitz in Zürich die Über-Branche insgesamt vertritt, fokussiert sich Swissmechanic seit der Gründung 1939 und mit Sitz in Weinfelden auf die KMU der MEM-Branche. Und das ist gerade für die Ostschweiz ein wichtiges Feld.

Die Hauptaufgaben sehen beide Verbände in der Qualitätssicherung der Aus- und Weiterbildung der Branchenangehörigen, vergleichbar etwa mit dem Verband des Beschaffungswesens, procure.ch. Ins Rampenlicht traten Swissmem und Swissmechanic kürzlich mit ihren Anstrengungen, wegen der drohenden Benachteiligungen der Industrie in Italien in Bern vorstellig zu werden und Druck zu machen, dass Schweizer Unternehmen nicht zum Kollateralschaden einer EU-Abschottungspolitik werden. Quasi in letzter Sekunde konnte das Übel mit den übertriebenen Abschreibungs-Vorteilen für EU- und EWR-Firmen abgewendet werden.

Politisch sinnvolle Vereinigung
Aus Sicht der Branchenpolitik ist der angekündigte Schritt sicher sinnvoll. Auch die Namensgebung scheint klar: Beide heissen gemeinsam einfach Swissmem. Kofferworte wie «Swissmemchanics» oder Ähnliches werden uns wohl erspart bleiben. Und Medien wie «Business Class Ost» müssen bei aktuellen Entwicklungen auch nicht mehr bei zwei Stellen gleichzeitig anfragen, um ein repräsentatives Bild der Lage zu erhalten.

Gerade bei der regionalen Wirtschaftspolitik stossen beide Verbände derzeit an ihre Grenzen: Geht es beispielsweise um Fragen in einzelnen Kantonen, haben beide immer wieder auf die jeweiligen Industrie- und Handelskammern verwiesen, die diesbezüglich wohl den besseren Durchblick haben, während die Branchenverbände Mitgliederumfragen durchführen und die Berufsbildung organisieren.

Der neue Verband spricht nun also mit einer Stimme, vor allem in der Politik, aber auch im Universum der Schweizer Wirtschaftsverbände wie etwa beim Schweizerischen Arbeitgeberverband und Economiesuisse. Das ist sicher ein Vorteil. Swissmem zählt 1500 Mitgliedfirmen, Swissmechanic vertritt gut 1300 Betriebe mit über 65’000 Mitarbeitenden, davon 6000 Lernende. Kommt dazu, dass die Grenze von KMU nach oben nur unscharf verläuft. Zieht man sie bei exakt 250 Mitarbeitenden, schaut man auf den Umsatz? Der Einkaufs-Verband procure.ch beispielsweise macht da keine Unterschiede, es gibt einfach Verbandsregionen. Bei Swissmem heisst es zudem: «Swissmem ist der führende Verband für KMU und Grossfirmen der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen)», womit KMU mitgemeint wären.

Behalten die kleinen KMU ihr Gewicht?
Ein Fragezeichen (was nicht als Kritik gemeint ist) stellt sich bei den kleinen KMU, gewissermassen der «K-Frage»: Werden sie im Fusionsgebilde weiterhin genügend Gehör finden? Das Beispiel der Gesundheitsbranche, deren damaliger Verband Santésuisse an dieser Frage 2013 mit dem Austritt von CSS, Helsana und Sanitas scheiterte und sich die beiden Spaltprodukte Santésuisse und Curafutura seither ständig in den Haaren lagen, sollte ein Warnzeichen sein, weiterhin auf die «Kleinen» zu hören und sie nicht aufgrund von weniger Mitgliederbeiträgen an den Rand zu drängen. Um beim Beispiel der Gesundheitsbranche zu bleiben: Mit «Prio.Swiss» geht man seit Anfang 2025 wieder gemeinsame Wege, was wiederum für die gemeinsame Swissmem spricht.

Fazit: Können Swissmem und Swissmechanic ihre Kulturen, Mitgliederbestände und politischen Interessen erfolgreich verbinden, ist das ein guter Schritt für die Schweizer Wirtschaft. Wichtig ist, dass die kleineren Mitgliedsunternehmen nicht unter die Räder kommen. Die Chancen stehen aber gut, dass das Fusionsprojekt gelingt, wobei viele Details noch nicht definiert wurden.

Die beiden Verbände haben die Anfrage von «Business Class Ost» heute früh inzwischen beantwortet und ihre Pläne erläutert, dass alle Mitgliedfirmen unabhängig von ihrer Grösse das gleiche Stimmrecht haben werden:

«Für die Mitglieder bringt eine Fusion noch bessere Dienstleistungen und noch stärkere Interessenvertretung»
«Beide Verbände haben bereits heute eine vielfältige Mitgliedschaft von kleinen und grossen Mitgliedfirmen – die gemeinsam an einem Strick ziehen. Die Schweizer Tech-Industrie ist stark KMU-geprägt, was sich in beiden Verbänden schon heute niederschlägt. Bei Swissmem sind rund 94 Prozent der Mitglieder KMU. Das wird auch in einem gemeinsamen Verband der Fall sein, der sich für die Anliegen aller Mitgliedfirmen mit vollem Engagement einsetzt. Es ist vorgesehen, dass an der Generalversammlung als oberstes Organ jede Mitgliedfirma eine Stimme hat – unabhängig von der Grösse.
Alle Unternehmen der Tech-Industrie haben die gleichen Interessen an guten Rahmenbedingungen, offenen Märkten und ein hervorragendes Bildungssystem mit der Berufsbildung und führenden Hochschulen.»

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