Der Strom wird günstiger, die Rechnungen werden trotzdem höher

* Jetzt ist wieder Saison: Die Elektrizitätswerke (EWs) haben ihre neuen Tarife für 2027 verkündet. * Das Beispiel des Rheintals zeigt das typische Bild: Obwohl die Kilowattstunden-Tarife sinken, steigen die Rechnungen wegen der höheren Netzutzungs-Gebühren unter dem Strich trotzdem. * Die Gemeinden investieren beispielsweise in Smart Metering – die Umstellung von den alten Zählern muss bis Ende 2027 zu vier Fünfteln erfolgt sein.

Business Class Ost
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Veröffentlicht am

15.9.2026

 von 
Eckhard Baschek

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Stromtarife Rheintal Smart Metering
Ein Fachmann bei der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke AG bereitet in St.Gallen Smart Meter für den Einbau bei der Kundschaft ein.

Ein grosser Teil der Stromrechnung für Private und Unternehmen, sofern sie nicht Grossverbraucher sind, geht auf die sogenannten Netznutzungsentgelte zurück. Damit sollen Instandhaltungen und Investitionen des Schweizer Stromnetzes abgegolten werden. Hier gibt es keinen Wettbewerb, weil es in der Schweiz nur ein Stromnetz gibt. Daher werden diese Gebühren auch von Behörden kontrolliert und abgesegnet. Sie machen immerhin 20 bis 40 Prozent der Gesamtrechnung aus.

In vielen Gemeinden werden dafür nächstes Jahr höhere Kosten verrechnet, etwa wegen Investitionen in Trafostationen und wegen Netz-Sanierungen aufgrund neuer Strassen und immer mehr Photovoltaik-Einspeisungen, insbesondere aber wegen des teils laufenden oder bestehenden Rollouts von Smart Metering, also intelligenten Gebührenzählern, die den Stromkunden mehr Informationen bereitstellen.

Das Rheintal als typisches Beispiel für die Kosten und Investitionen der Elektrizitätswerke
In Altstätten, Balgach, Diepoldsau, Eichberg, Oberriet und bei den SAK wird derzeit und bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist Ende 2027 installiert (im Minimum zu 80 Prozent), in Thal sollte die Umstellung Ende Jahr abgeschlossen sein, Berneck und Rheineck haben bereits umgestellt. Rebstein und Marbach sind quasi einen Schritt weiter: Dort werden die bestehenden Smart Meter (die gibt es in Marbach bereits seit 2011) gerade auf die zweite Generation umgerüstet.

Fast alle Rheintaler Gemeinden beziehen ihren Strom zudem von den St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerken (SAK), die den Strom wiederum bei den grossen Erzeugern einkauft, aber auch aus eigenen Kraftwerken, etwa den Binnenkanal-Kraftwerken und dem Kraftwerk Kubel. Das beinhaltet auch Einkäufe aus dem europäischen Stromnetz, und diese Preise wechseln mindestens so häufig wie die Erdölpreise, am Spotmarkt. Um sich gegen grosse Schwankungen abzusichern, können die Gemeinden die Preise «hedgen», also mit im Voraus verabredeten Preisen absichern. Ähnlich machen das auch Fluggesellschaften beim Kerosin-Einkauf.

Eine Ausnahme ist die Gemeinde Widnau: Sie bezieht ihren Strom direkt von der Axpo. Die meisten Gemeinden – eine Ausnahme ist Widnau – beziehen den Strom zwar technisch-physikalisch gesehen bei den SAK ein, aber preislich arbeiten sie mit einem Energiedienstleister als Zwischenhändler zusammen. Der verfolgt eine langfristige, mit der Gemeinde vereinbarten Beschaffungsstrategie. Aktuell ist das beispielsweise für Altstätten die Energieplattform AG in St.Gallen. Sie schreibt für alle ihr Kundinnen mehrmals pro Monat bei vielen Energiehändlern – vor allem Axpo, Alpiq, BKW – aus und beschafft dann die entsprechenden Energiemengen zu möglichst günstigen Preisen, wie die Gemeinde dieser Zeitung schrieb.

Eine andere Entwicklung beim Stromeinkauf wiederum ist bei allen Gemeinden gleich: der Strom von privaten und gewerblichen Photovoltaik-Anlagen des eigenen Netzgebiets. Für Altstätten sind das 800 PV-Anlagen, die 2027 insgesamt 16,5 Millionen Kilowattstunden anliefern; das ist immerhin ein Drittel des gesamten Einkaufs.

Auf dem Weg zum Einheitstarif
Bereits vor Jahren, laufend und verstärkt 2027 gleichen die EWs die Nieder- und Hochtarife einander immer mehr an oder vereinheitlichen sie sogar zu einem Einheitstarif. Der Hintergrund: Die Einspeisungen durch die vielen kleinen PV-Lieferanten erfolgen vor allem zur Mittags- oder Nachmittagszeit, wenn der Stromverbrauch nicht besonders hoch ist. Und wenn viel Strom nachgefragt wird, etwa in dunklen Wintertagen und in der Nacht, wenn viele ihre Elektro-Autos «betanken», fallen diese Zuflüsse weg. Um das Netz während des ganzen Tages stabil bei 50 Hertz zu halten, müssen die Anbieter den Strom entweder gratis abgeben oder teuer einkaufen, weil dann die Nachfrage steigt. Um diese Schwankungen zu glätten, werden die Tarife zeitunabhängiger festgelegt. Bei den SAK beispielsweise liegen die Einheitstarife leicht über dem Mittelwert zwischen dem Hoch- und dem Niedertarif. Die Folge ist, dass Verbraucher dann am Ende mehr bezahlen müssen, weil viele Geräte wie etwas Warmwasser-Boiler derzeit noch vom günstigen Niedertarif in der Nacht profitieren.

Altstätten, Marbach, Rebstein und Widnau (hier mit zwei Tarifen, aber minimen Unterschieden) haben bereits 2023 auf den Einheitstarif umgestellt. Das gilt in der ganzen Schweiz allerdings nicht für Gross- und Industriekunden ab 50’000 bzw. 100’000 Kilowattstunden: Sie können frei bestimmen, wo sie ihren Strom einkaufen. Entsprechend können sie sich in vielen Rheintaler Gemeinden auf eine Preissenkung freuen, jedenfalls beim Mengenpreis, der Leistungspreis, also die Netznutzung, hingegen steigt bei einigen EWs; in einigen Gemeinden ändert sich für sie nichts. In Berneck gilt der Einheitstarif seit Anfang dieses Jahres, und auch Rheineck hat bereits umgestellt. In Diepoldsau, Eichberg und Thal erfolgt die Umstellung aufs nächste Jahr hin.

Keinen Sinn in einer Vereinheitlichung hingegen sieht man in Balgach: Da man dort davon ausgeht, «dass sich die Tarife in naher Zukunft grundlegend verändern werden», mache es aus Sicht der Gemeinde «keinen Sinn», auf Einheitstarif umzustellen. Auch in Rüthi ist zumindest für 2027 keine Vereinheitlichung geplant, und in Oberriet werden die Kostenunterschiede immer geringer. Eine Besonderheit könnte es in Widnau bald wieder geben: einen Sommer- und einen Wintertarif; offiziell beschlossen ist hier allerdings noch nichts. In Thal hingegen ist das bereits Tatsache.

Hier kann man den Strompreis aller Schweizer Gemeinden einsehen.

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