Das Anlagejahr 2026 fährt derzeit in ruhigere Gewässer

* Dass im Hinblick auf das mögliche Abkommen zwischen Iran und USA die Strasse von Hormus langsam wieder schiffbar wird, ist ein positives Signal für die Liefer- und Wertschöpfungsketten. * Vielen Anlegerinnen und Anlegern drängt sich das Gefühl auf, man könne nun wieder zum Tagesgeschäft übergehen, aus der Börse sei vorderhand die Luft raus. * Das zweite Anlage-Halbjahr steht unter dem Zeichen der Konsolidierung – aber mit einigen lästigen Fragezeichen.

Hypo Vorarlberg Bank AG
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Veröffentlicht am

1.7.2026

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Anlagejahr 2026 Hypo Vorarlberg in St.Gallen PC
Ein Blick auf die letzten 5 Jahre: Die Kurven des Rohöls (Sorte Brent, braun), des SMI (rot) und der Inflation (grau) pendeln sich wieder ein.

Die USA und der Iran haben zumindest eine vorläufige Einigung darüber erzielt, dass die Strasse von Hormus wieder geöffnet wird. Der Kernpunkt der nächsten Phase sind 60 Tage Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Ein endgültiger Durchbruch ist damit nicht erreicht, aber es wurde wenigstens ein diplomatisches Zeitfenster geöffnet.

Beide Seiten legen die Einigung politisch unterschiedlich aus: US-Präsident Donald Trump stellte die Vereinbarung als grossen Friedensschritt dar. Iranische Staatsmedien werteten die Einigung dagegen als Niederlage der USA und Israels.

Der Schiffsverkehr bleibt vorerst gestört. Hunderte Schiffe warten im Persischen Golf auf Durchfahrt. Die Durchfahrtkapazität hängt auch davon ab, wie schnell die Minenräumung erfolgen kann.

Die Finanzmärkte reagierten erleichtert: Der Ölpreis gab deutlich nach. Brent fiel auf rund 77 Dollar je Barrel, liegt damit aber immer noch rund 10 Prozent über dem Vorkriegs-Niveau. Die Aktienmärkte reagierten ebenfalls mit deutlichen Kursgewinnen. Das positive Überraschungspotenzial dürfte für Aktien nun aber ausgeschöpft sein.

Für die Geldpolitik könnte die Einigung dämpfend wirken. Für die EZB dürften nach der Erhöhung vom 11. Juni von 2 auf 2,25 Prozent weitere Anhebungen zur Diskussion stehen. Für die Fed erwarten wir für das laufende Jahr weiterhin keine Zinssenkung. Politisch verschafft die Vereinbarung Trump Entlastung. Der Krieg gilt in den USA als unpopulär; vor den Zwischenwahlen im November dürfte eine Beruhigung der Lage innenpolitisch willkommen sein.

Die Eskalationsgefahr ist jedoch nicht gebannt: Trump erklärte, falls keine Einigung über das iranische Atomprogramm zustande komme (hier gibt es noch wesentliche Differenzen), könnten militärische Angriffe wieder aufgenommen werden. Des Weiteren ist offen, ob die Waffen auch im Libanon dauerhaft schweigen. Dies kann Trump nicht unilateral bestimmen.

Ein Sieg nach Punkten für den Iran
Betrachtet man den bisher bekannten Entwurf zur geplanten Einigung, könnte man sagen: 5:1 für den Iran. Im Einzelnen: Der Iran verpflichtet sich im Atomprogramm, keine Atomwaffe anzustreben. Zugleich wird eine 60-tägige Verhandlungsphase über die Urananreicherung vereinbart. Die USA sagen zu, ihre Sanktionen vorübergehend auszusetzen und schrittweise Sanktionslockerungen zu ermöglichen. Ausserdem verpflichten sich die USA, einen Teil der eingefrorenen iranischen Vermögenswerte freizugeben.

Der Iran erklärt sich bereit, die Strasse von Hormus ohne Gebühren, jedoch zu eigenen Bedingungen, wieder zu öffnen – was immer das im Detail heisst. Die USA haben ihre Blockade inzwischen weitgehend aufgehoben. Sie erklären sich auch bereit, Streitkräfte aus der Nähe Irans abzuziehen und eine Obergrenzen für die Truppenstärken zu akzeptieren.

Iran: Beendigung des Kriegs an allen Fronten?
Die USA stimmen einer Regelung zu, die auch den Libanon einschliesst. Israel ist jedoch weder Partei des Memorandums noch der Gespräche. Das gespannte Verhältnis zwischen Netanjahu und Trump zeigt zweierlei: Israel betrachtet die Bedrohung durch die Hizbullah – finanziert durch den Iran – als existenziell an und ist zumindest im Südlibanon bisher zu keinen Konzessionen bereit. Und beide Politiker müssen sich bald mit Wahlen im eigenen Land auseinandersetzen, was ihren Handlungsspielraum einschränkt.

Unser Hauptszenario für den Sommer an den Börsen
Bezüglich des Iran-Kriegs gehen wir davon aus, dass sich der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus im Verlauf des Sommers normalisieren wird, die Energieversorgung und teilweise auch die Lieferketten aber gestört bleiben. Die Inflation wird wegen Zweitrundeneffekten aus den erfolgten Energiepreisschüben ansteigen, denn höhere Energiepreise erhöhen mit Verzögerungen auch die Preise für Konsumgüter. Zudem ist nicht nur Öl auf den Schiffscontainern gebunden, auch viel Düngemittel und andere Produktionsstoffe sind Mangelware, was die Einkaufspreise deutlich erhöht.

Die US-Konjunktur dürfte sich leicht abschwächen, da der KI-Investitionsboom an Dynamik verliert. Und auch das Wachstum in China verlangsamt sich weiter. In der EU sehen wir nur geringes Wachstum, gepaart mit einem weiteren Anstieg der Staatsverschuldung in den Industriestaaten.

Die Inflationsbekämpfung wird die EZB wie erwähnt zu mehreren Leitzinsanhebungen motivieren, Wachstumsbelastungen nimmt sie dabei in Kauf. Die Fed nimmt Abstand von Leitzinssenkungen; die Renditen der US-Staatsanleihen steigen vom bereits erhöhten Niveau aus noch etwas weiter an.

Die Aktienmärkte werden sich einer Konsolidierung über den Sommer erfreuen; die Anlegerinnen und Anleger sind zwischen KI-Hoffnungen, Zinsängsten, Kriegssorgen und der Angst vor einem Platzen der KI-Blase hin- und hergerissen und daher weniger Umschichtungen vornehmen.

Was tun?
Wir bleiben für die Aktienmärkte neutral, bauen aber Liquidität für Rückschläge auf. Volatile Aktienbestandteile wie unsere Thementrends haben wir aus den Portfolios verkauft, da sie die höchste Volatilität und damit das höchste Rückschlagpotenzial aufweisen.

Walter Ernst, Niederlassungsleiter und Regionaldirektor Schweiz, Hypo Vorarlberg Bank AG in St.Gallen

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